Was die Hand von Buddha mit einer Zitrone zu tun hat

Dieses Bild zeigt die Zitronenart "Citrus Medica Maxima"

Leuchtend gelb, wohl geformt und richtig schön sauer – so kennen wir sie aus dem Supermarkt: die Zitrone. Dass sie so nicht von Natur aus aussieht, sollte einem eigentlich schon fast der normale Menschenverstand sagen.

Zur Biozitrone zu greifen macht die Sache schon etwas besser. Doch selbst diese wird nicht an das rankommen, was ich in Kärntens erster Bio Zitrus-Gärtnerei erlebt und geschmeckt habe.

Riechen an einer Zitrone

Über tausend verschiedene Zitronen-Sorten

Für mich gab es bis dahin zwei Sorten Zitronen: Bio und nicht Bio. Dabei gibt es an die 1.600. Von gelb, über orange bis hin zu gelbgrün-gestreift. Mit dem „Zitronen-Lexikon auf zwei Beinen“ Michael Ceron ging es durch eine knapp 400 Quadratmeter große Kombi aus botanischem Garten und Biobetrieb. Über 280 Zitronensorten versammeln sich hier. Von Zitronen aus der Antike, über exotische aus dem Fernen Osten, Afrika und Amerika bis hin zu neuere Arten aus Australien, wie der „australischen Fingerlimette“, die eher an eine Essiggurke erinnert, als an eine Zitrone. Auch Bergamotten, Pomelos, Mandarinen oder Grapefruits gehören zur „Zitrusfamilie“ dazu.

Eine grün-gestreifte Zitrone

eine Kumquat
Auch Kumquats gehören dazu. Die kann man so mit Schale essen.

Je länger Zitrusbauer Michael Ceron von der Vielfalt der Zitrone erzählt, desto erstaunter bin ich und bekomme schon fast ein bisschen Ehrfurcht vor der Frucht. An die 800 Jahre alt wird so ein Zitronenbaum. Was der wohl alles miterlebt hat. Dabei trägt er fast das ganze Jahr Blüten, kleine Früchte und reife Zitronen gleichzeitig, kann sich selbst befruchten und je nach Größe bis zu 1.500 Früchte über das Jahr verteilt tragen.

Das Bild zeigt einen Buddha im Zitronengarten
Buddhas Hand hat hier nicht nur etwas mit der Statue zu tun…
Die Zitrone die aussieht, wie „Buddhas Hand“

Die Urzitrone hat sogar etwas Heiliges. Ihr Aussehen ähnelt kein bisschen dem, der uns bekannten Zitrone. Mehrere, fingerartige Stränge entfalten sich vom Ast aus. Fast, als würden sie nach einem greifen. Daher kommt wahrscheinlich auch der Name der „Citrus Medica“: Buddhas Hand. Wegen ihres intensiven Geschmacks und Geruchs, ist sie besonders bei Spitzenköchen beliebt. Fein gehobelt sei sie das i-Tüpfelchen auf jedem Gericht. „Die muss man wie einen guten Trüffel behandeln“, betont Michael Ceron mit einem Zwinkern. Fruchtfleisch oder Saft gibt es bei Buddhas Hand nicht. Auch Säure entwickelt sie erst so richtig, wenn man sie zum Beispiel anbrät. Sonst schmeckt sie eher süßlich-herb. An dieser Stelle sei angemerkt: sauer ist kaum eine Zitrone von Natur aus, dazu aber später mehr. Auf eine dieser „Urzitronen“ stehen oft an die 50 Anfragen von Köchen – und hier in Kärnten ist der einzige Ort, wo sie das „gelb-orangene Gold“ in Bio-Qualität bekommen.

Das Bild zeigt die Urzitrone Buddhas Hand
So sieht sie aus, die „Urzitrone“.

Auch eine Verwandte der Urzitrone, die „Citrus Medica Maxima“ kann sich sehen lassen. Einige davon sind fast so groß wie mein Kopf.

Citrus Medica Maxima im Vergleich zum Kopf
Wenn die Zitrone fast so groß ist, wie der eigene Kopf 😀
In der Industire wird die Zitrone regelrecht vergiftet

Desto länger wir zwischen Zitronenbäumen und einer riesigen Buddha Figur entlangschlendern, desto verrückter erscheint es, was wir da im Supermarkt kaufen. „An sich kann man jede Zitrone essen, nur die im Supermarkt, die werden vergiftet“, erklärt Michael Ceron. Unreif geerntet werden sie Chemikalien ausgesetzt, die dafür sorgen, dass sie auch schön gelb und glänzend werden. Sauer sind sie dann auch, jedoch nicht, weil das so sein soll. Sie sind einfach zu früh geerntet worden und konnten ihren vollen Geschmack überhaupt nicht entfalten. „Danach steht dann drauf: Schale nicht zum Verzehr geeignet. Warum macht man das?“, wundert sich der Zitrusbauer verägert. Eine „echte“ Zitrone kann man essen wie einen Apfel – und zwar ohne, dass einem das verzerrte Grinsen auf dem Gesicht festgetackert wird. Sie schmeckt dann eher süßlich, mit einer leicht säuerlichen Note.

Eine Zitrone wird gepflückt
Verlockend – aber anfassen oder gar pflücken darf man die Früchte im Zitronengarten nicht. Das macht der Zitrusbauer höchstpersönlich.

Ein kleiner Tipp vom Zitronenprofi für alle, die jetzt gerne auf die Chemiebomben aus dem Supermarkt verzichten möchten: Die Biozitrone einfach in Viertel schneiden und einfrieren. Dadurch, dass sie nicht behandelt ist, hält sie nämlich nur 1,5 Stunden bis drei Tage.

Was man alles aus der Zitrone machen kann

Nachdem Michael Ceron uns jede Menge aus der Welt der Zitronen erzählt hat, geht es zur Verkostung. Zitroneneistee, Marmeladen und Zitronenlikör stehen zum Probieren bereit.  Dazu muss ich nur so viel sagen: der halbe Liter Zitroneneistee den ich mitgenommen habe, ist jetzt schon so gut wie leer 😀 Verrückt, was man alles mit der Zitrone machen könnte, außer sie nur übers Wiener Schnitzel zu träufeln.

Produkte aus der Zitrusgärtnerei
Ein paar Produkte aus der Zitrusgärtnerei mussten mit ins Reisegepäck. Gut – der Eistee wird vielleicht nicht mehr zu Hause ankommen 😀

Ich muss sagen, ich finde es immer wieder faszinierend, wie wenig wir eigentlich von dem wissen, was wir tagtäglich einkaufen und essen. Wie wenig Gedanken wir uns darüber machen, was da eigentlich in unserem Einkaufskorb landet. Und wieviel Vielfalt uns aus mangelndem Wissen entgeht. In Sachen Zitrone bin ich auf jeden Fall eines Besseren belehrt worden und werde die Frucht ab jetzt aus einem anderen Blickwinkel sehen. In diesem Sinne: Prost! – Ich geh jetzt das letzte Glas Zitroneneistee trinken.

Wart ihr schonmal in Kärnten oder habt von der Bio-Zitrusgärtnerei gehört? Oder habt ihr vielleicht selbst einen Zitronenbaum? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

Übrigens: was ich überhaupt in Kärnten mache, könnt ihr hier lesen.

#heartwords #Zitrone

2 Replies to “Was die Hand von Buddha mit einer Zitrone zu tun hat

  1. Sehr spannend, das hätte ich jetzt nicht erwartet. Wobei ich auch ein wenig traurig bin, ich liebe Zitronen eben weil sie sauer sind. Früchte sind immer süß, ich mag kein süß, aber ich liebe sauer 😀 Aber mit meiner Bio Zitrone bin ich jetzt auch nicht mehr zufrieden. Ein Grund mehr endlich meinen eigenen Zitronenbaum zu haben. Wünsch mir Glück, ich habe nämlich den Daumen des Todes, der ist schwarz und nicht grün 😀

    1. 😀 Ich kann dich beruhigen, es gibt auch Zitronenarten, die von Natur aus eher sauer schmecken. Man muss nur die richtige Sorte für sich finden. Da bin ich ja mal gespannt, ob du demnächst deine eigenen Zitronen isst und drücke natürlich meinen, by the way auch nicht wirklich grünen, Daumen 😀 Ein kleiner Tipp: kaufe keinen Zitronenbaum aus dem Baumarkt. Das sind fast immer Zierbäume, deren Früchte nicht zum Verzehr geeignet sind.

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