Vom Laufmuffel zum Halbmarathonläufer

Dieses Bild zeigt eine Läuferin, die ihre Sportschuhe anzieht

Sport ist schon immer ein großer Teil meines Lebens. Ob jetzt der klassische Gang ins Fitnessstudio, Homeworkouts, Boxen oder auch das Reiten. Was nie dazu gehört hat, war Laufen. „Das ist der einzige Sport, den ich nie machen werde“, habe ich immer gesagt. Nach ein paar hundert Metern war meine Kondition völlig am Ende, mein Gesicht dunkelrot und meine Knie kurz vorm Zusammenbrechen. Einfach ausgedrückt: ich konnte es wirklich nicht.

Doch wie das so ist im Leben: kaum hat man ein Ziel, ist man zu Dingen imstande, die man sonst nicht für möglich gehalten hätte. So wars dann auch bei mir. Mein Freund, schon immer ein leidenschaftlicher und guter Läufer, hatte sich für einen Halbmarathon angemeldet. Mehr aus Spaß als ernst gemeint, platzte dann ein „Ach, da mach ich auch mit“, aus mir heraus. Tja, und ohne wirklich drüber nachzudenken, war ich zwei Tage später für einen Lauf über knapp 21,1 Kilometer angemeldet.

Erst danach dämmerte mir langsam, was das für mich bedeutete. Nach einer kurzen Panikattacke und der Überlegung, mich sofort wieder abzumelden, packte mich dann aber doch der Ehrgeiz. Also fing ich an zu trainieren – und verzweifelte.

Langsam ernährt sich das Eichhörchen – oder fängt an zu laufen

Die ersten Wochen waren der Horror. Ich war froh, wenn ich den Feldweg vorm Haus unbeschadet rauf und wieder runter kam. An der Haustür angekommen, hätte man mir dann gut und gerne mehrere Sauerstoffzelte reichen können. So würde ich am Wettkampftag kaum über die Startlinie kommen. Also fing ich an, mir Lauftrainingspläne anzuschauen. Ich besorgte mir eine Pulsuhr, die meine Herzfrequenz überwacht und ließ meinen Laufstil überprüfen. Dabei wurde dann ganz schnell klar: so wie ich zu der Zeit lief, konnte das Ganze nichts werden. Ich hatte eine vollkommen falsche Technik.

Bild einer Polarlaufuhr
Die Pulsuhr von Polar zeigt mir alles, was beim Training wichitg ist.

Die nächsten Wochen standen dann also erstmal Laufübungen statt langen Läufen durch die Felder auf dem Plan. Mal die Knie nach ganz oben, mal die Fersen an den Hintern – ich kam mir echt selten dämlich vor, wie ich da über den Sportplatz hüpfte. Aber: es half. Nach und nach fiel mir das Laufen nicht mehr so schwer, meine Haltung veränderte sich und so langsam sah es wirklich danach aus, als könnte ich tatsächlich laufen lernen.

Langsam hangelte ich mich von Meter zu Meter. Bis ich bei ein, zwei Kilometern am Stück angekommen war. Immer noch keine Glanzleistung, aber ein himmelweiter Unterschied zu den kläglichen Versuchen vom Anfang. So langsam bekam ich sogar Spaß an der Sache, freute mich auf meine morgendliche Runde nach dem Aufstehen. Ich fühlte mich viel fitter und startete besser gelaunt in den Tag.

Weitermachen – auch wenn der Tiefpunkt erreicht ist

So vergingen dann einige Wochen, bis der Wettkampftag immer näher rückte. Ich war mittlerweile bei circa acht Kilometern angekommen. Für mich ein kleines Weltwunder, vom Halbmarathon aber leider noch meilenweit entfernt. In mir machte sich Panik breit – und ein bisschen Wut auf mich selbst. Vielleicht hätte ich ja noch härter und öfter trainieren können. Heute weiß ich, dass das Quatsch war. Dass es langsam und stetig voran geht, ist völlig normal – und gut so. Würde man von null auf hundert gehen, wäre das zum einen oft kaum möglich und zum anderen würde man danach sofort wieder mit der Sache aufhören. Doch zu dem Zeitpunkt war ich völlig demotiviert. „Das schaffe ich nie“ – dieser Satz schwirrte Tag für Tag in meinem Kopf rum und bereitete mir Magenschmerzen.

Ich verfolgte weiter den Trainingsplan. Auf Tempoläufe folgten Intervalle und lange Läufe. Aber voran kam ich irgendwie nicht. Und die Zeit war eindeutig gegen mich.

Jeder Kilometer zählt

Erst kurz vorm „Tag der Tage“ kamen dann wieder Erfolge, einige Wochen vorher startete ich gemeinsam mit meinem Freund einen Testlauf. An dieser Stelle: danke für deine starken Nerven 😀 An dem Tag liefen wir knapp 16 Kilometer. „Die restlichen fünf schaff ich dann auch noch“, beruhigte ich mein mittlerweile sehr durchlöchertes Nervenkostüm und stürzte mich in die letzten Vorbereitungen.

In der Woche vorher drehte sich alles nur noch um den Lauf. Mein Schlaf, meine Ernährung, mein Training – alles war auf Wettkampf eingestellt. Dann war es soweit: Am Wettkampfmorgen war mir so übel, dass ich kaum mein Honigtoast runter bekam. „Das ist doch nur ein blöder Lauf“, versuchte ich mir einzureden. Doch für mich war es mittlerweile mehr. Ich wollte mir beweisen, dass ich es schaffen kann.

Adrenalin vorm finalen Lauf

Mit tausenden anderen Läufern, die auf mich alle verdammt professionell wirkten, stand ich dann vor der Startlinie. Um mich herum hüpfte und dehnte sich alles, während ich panisch überprüfte, ob meine Schnürsenkel auch halten würden. Dann ertönte epische Musik. Gleich würde es losgehen. Neben mir versuchte mein Freund mich noch etwas zu beruhigen, als schließlich der Startschuss ertönte. Langsam bewegten wir uns Richtung Start. Durch die vielen Läufer konnten wir gar nicht sofort loslaufen. Dann ging es los. Ein Schritt vor den anderen. Gefühlt überholte uns das gesamte Starterfeld. Ich blickte entschuldigend zu meinem Freund rüber, der sich an mein Tempo anpasste. Aber ich hatte ja erstmal nur ein Ziel: ankommen. Als ich mein Tempo gefunden hatte, lief es dann sogar richtig gut.

Etwa bei der Hälfte angekommen kam dann aber der Tiefpunkt. Ich war zu schnell losgelaufen, meine Beine fühlten sich an wie Blei. Als die Frage „Willst du abbrechen?“, von der Seite kam, packte mich dann aber das letzte bisschen Ehrgeiz. Kilometer für Kilometer brachten wir hinter uns, getragen von den Menschen am Rand der Strecke, die uns anfeuerten. Nach einigen Hochs und Tiefs, Seitenstichen und Momenten kurz vor der Verzweiflung war dann das Ziel in greifbarer Nähe. War ich noch ein paar Meter vorher kurz vorm Zusammenbrechen, setzte ich jetzt noch einmal zum Sprint an – zumindest zu dem, was man in dem Zustand noch Sprint nennen konnte.

Wenn auf einmal über 21 Kilometer hinter dir liegen

Dann ging alles ganz schnell. Eine freundlich lächelnde Frau hing mir eine Medaille um den Hals. Eine Andere reichte mir Wasser und einen Apfel, den ich in Rekordzeit hinunterschlang. In meinen Beinen pochte jeder Muskel, am liebsten wollte ich mich sofort hinlegen. Doch ich hatte ja gelernt: erstmal auslaufen, ein paar Meter gehen, die Herzfrequenz und die Atmung wieder runterbringen. Langsam realisierte ich, was da gerade passiert war. Ich hatte es tatsächlich geschafft. 21,1 Kilometer am Stück. Das Gefühl war unbeschreiblich. Obwohl ich auf der gesamten Strecke so oft geflucht hatte, wie wahrscheinlich in meinem gesamten Leben noch nicht, stand für mich fest: das war nicht mein letzter Lauf. Die ganze Atmosphäre, das Gefühl ins Ziel zu laufen und das Wissen, seinen Körper an die persönliche Grenze zu bringen, hatte mich in seinen Bann gezogen.

Heute, knapp ein Jahr und einige Laufwettkämpfe später, ist Laufen ein großer Teil meines Lebens geworden. Mehrmals die Woche kann ich bei meiner Laufrunde den Kopf abschalten. Ich liebe es, früh morgens, wenn die ganze Welt noch zu schlafen scheint, loszulaufen. Mir Woche für Woche neue Ziele zu stecken.

Was mir das Ganze gezeigt hat ist, dass man nie sagen sollte: „Ich kann das nicht“. Wenn wir uns etwas in den Kopf setzen, können wir das auch schaffen. Egal wie lange es dauert. Egal ob man zwischendurch am liebsten aufgeben würde – und egal, ob andere euch das zutrauen oder nicht. Da wichtigste ist, so kitschig das auch klingt, dass ihr an euch selbst glaubt und Spaß habt.

Was sind eure Ziele? Gibt es auch etwas, das ihr immer schonmal ausprobieren wolltet, euch aber nicht getraut habt? Ich bin auf eure Geschichten in den Kommentaren gespannt.

#heartwords

3 Replies to “Vom Laufmuffel zum Halbmarathonläufer

  1. Richtig geil, dass du das geschafft hast! Ich kenne das Gefühl des Zieleinlaufs vom Run and Fun. Der ist zwar nur 5,2 km lang, aber ich selber bin auch (noch) keine Läuferin. Ich habe es schon so oft versucht, aber kaputte Knie und Atemprobleme kommen mit ständig in die quere. Dennoch bin ich jetzt schon zwei mal dort mitgelaufen, im ersten Jahr 34 Minuten im zweiten 29. Beide Male komplett untrainiert. Was könnte also noch draus werden, wenn ich mal trainiere? 😀 Deine Story ist auf jeden Fall eine großartige Motivation. Und nach meinem leicht kläglichen Jogging-Versuch den Berg rauf gestern, werde ich wohl demnächst auch noch mal anfangen morgens vor der Arbeit zu laufen. Hast du zufällig noch einen Tipps dafür, so früh aus den Federn zu kommen? 😀

    Und btw, toller Schreibstil!! 🙂 Ganz viel Erfolg mit deinem Blog 🙂

    Liebe Grüße
    Annika

    1. Dankeschön für deine lieben Worte 🙂 Auch 5,2 Kilometer sind schon super – alleine die Tatsache, dass du aufstehst und losläfts, ist ein Erfolg! Hast du schonmal nachschauen lassen, ob du die richtigen Laufschuhe trägst? Durch falsche Schuhe können oft Knieprobleme beim Laufen entstehen. Und zu deiner Frage nach Tipps zum früh Aufstehen: Mache das Aufstehen zu einer Art Ritual. Genieße die Zeit für dich und schaffe dir eine ganz eigene Routine, auf die du dich wirklich freust. Ich kann dazu gerne demnächst mal einen Blogeintrag schreiben 🙂

      Liebe Grüße,
      Gina

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